Aufklärung 2.0: Wage zu Fühlen!

 

„Sapere Aude! – Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ war der Leitspruch der Aufklärung. Verstand und Vernunft werden in unserer Gesellschaft hochgepriesen und als Lösungsmittel für alle Probleme gesehen und auch angewendet. Wie kann es dann sein, dass unsere Gesellschaft in so vielfältigen Krisen steckt?

 

Verdrängte Emotionen und ihr unbewusstes Wirken

Es ist wissenschaftlich längst belegt, dass unsere Entscheidungen von unseren unbewussten Emotionen gesteuert werden, die 80 % unseres Daseins ausmachen. Das heißt, dass nur 20 % im allgemeinen Bewusstsein stattfindet. Meistens werden deshalb Entscheidungen im Nachhinein rationalisiert, vor allem deshalb, weil wir in einer Kultur leben, die nur das rationale Argument gelten lässt. Faktisch war die Entscheidung aber nicht rational, sondern emotional. Wäre es dann nicht nur logisch und konsequent, dass wir anfangen unser Emotional- und Gefühlsleben auszubilden? Warum wir diese Erkenntnis nicht in die Ausbildung und ins Bildungssystem integriert?

 

 

Transgenerative Weitergabe von Traumata

Problematisch an unbewusst emotionalen Entscheidungen ist, dass sie meist gar nicht selbstbestimmt getroffen werden. Unbewusst werden wir geprägt durch unsere Herkunftsfamilie und die Gesellschaft, aber auch unsere Vorfahren, die wir gar nicht mehr kennen. Mittlerweile wurde bestätigt, dass wir auch traumatische Erfahrungen unserer Ahnen in uns tragen, die Folgen davon können sich über mehrere Generationen erstrecken. Das Fach der Epigenetik ist hierbei sehr aufschlussreich und spannend. Gerade in einem Land wie Deutschland, welches in kurzer Zeit zwei Weltkriege durchstanden hat, ist dieses Wissen hoch aktuell und hoch brisant und ruft nach Aufarbeitung.

 

Das ABC der Gefühle

Hier kommt auch die wichtige Unterscheidung von Emotionen und Gefühlen zum Tragen. Emotionen weisen meist auf einen Zustand hin, der auf die Vergangenheit deutet und durch ein äußeres Ereignis im Hier und Jetzt ausgelöst wird. Vielfach löst dies dann Verwunderung über das eigene Verhalten aus, da es in dem Moment wirklich irrational erscheint. Gefühle hingegen zeigen eher den aktuellen Gemütszustand auf, hier kann ich spüren, was ich im Moment brauche und benötige, so dass es mir gut geht.

 

Wage zu Fühlen!

Für die wirklich Mutigen gilt deshalb: Wage zu Fühlen! Dafür braucht es vor allem eines: Mut. Im aus dem Französischen entlehnten Begriff Courage steckt das Wort „Cor“, was auf das Herz verweist, weshalb eine andere Übersetzung von Courage auch „Beherztheit“ ist. Das Herz ist couragiert und somit mutig, es strebt nach Wahrhaftigkeit und stellt sich den Dingen, sich selbst und den anderen.

 

Das Fühlende Denken

Wenn wir uns unseren unbewussten Emotionen stellen, die wir von unseren Ahnen übernommen und/oder selbst erlebt haben, befreien wir uns damit selbst. Unsere Entscheidungen werden dann erst wirklich selbst-bestimmt. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass wir gar nicht unser eigenes Leben leben, sondern dass unserer Vorfahren wiederholen.
Die Ratio ist im Fühlenden Denken ein Diener, die dem Herzgehirn dient. Das Herzgehirn verbindet Fühlen und Denken zu einer Einheit in ein Fühlendes Denken. Diesen Schritt zu gehen, würde die Aufklärung nicht nur Theorie, sondern auch Praxis werden lassen.

Fühlen und Denken in Einklang zu bringen würde uns nicht nur frei, sondern auch verbunden, nicht nur gleich, sondern auch einzigartig machen und nicht nur brüderlich, sondern auch schwesterlich denken und handeln lassen! Deshalb:

Wage nicht nur zu wissen, sondern auch zu fühlen,
denn auch Fühlen ist eine Wissensform!

© alle Bilder: Herzlichen Dank an pixabay.com!

 

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